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Das NORDIC BALANCE MODELL

Ein Rahmen für Lebenszufriedenheit



Einleitung


Lebenszufriedenheit wird wird oft als Ziel beschrieben. Etwas, was man erreichen, festhalten oder optimieren kann. In meiner Abschlussarbeit meines Masterstudiums in Beratung und Coaching hat sich jedoch gezeigt, dass Lebenszufriedenheit weniger ein Zustand ist als ein Zusammenspiel aus unterschiedlichen Faktoren. Lebenszufriedenheit entsteht dort, wo verschiedene innere und äußere Faktoren in eine stimmige Balance kommen.


Aus diesem Verständnis heraus ist das NORDIC BALANCE MODELL entstanden. Es bietet einen Orientierungsrahmen, um Lebenszufriedenheit nicht eindimensional zu betrachten, sondern in ihren verschiedenen Wirkprinzipien zu verstehen.



Entstehung des Modells


Das NORDIC BALANCE MODELL wurde im Rahmen meiner Masterarbeit entwickelt. Grundlage bildeten qualitative Interviews mit Menschen, die in skandinavischen Ländern leben, sowohl mit Einheimischen als auch mit ausgewanderten Deutschen.


Mein zentrales Erkenntnissinteresse lag darin, herauszufinden wie subjektive Lebenszufriedenheit in skandinavischen Raum erlebt, beschrieben und im Alltag gestaltet wird. Der skandinavische Kontext bot dabei einen besonderen Bezugsrahmen, da internationale Studien wie bspw. der World Happiness Report regelmäßig hohe Zufriedenheitswerte für diese Länder ausweisen.


Die Analyse der Interviews zeigte deutlich:

Lebenszufriedenheit entsteht nicht aus einem einzelnen Faktor, sondern aus dem Zusammenspiel mehrerer Wirkprinzipien, die sich gegenseitig beeinflussen und stabilisieren.




Die Grundannahme des NORDIC BALANCE MODELLS


Das NORDIC BALANCE MODELL versteht Lebenszufriedenheit als dynamischen Prozess. Die einzelnen Wirkprinzipien stehen nicht isoliert nebeneinander, sondern sind miteinander verbunden. Veränderungen in einem Bereich wirken sich auf andere Bereiche aus.


Das Modell ist hypothesengenerierend. Es erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder Allgemeingültigkeit, sondern dient als strukturierender Rahmen zur Reflexion und Orientierung.



Die vier Wirkprinzipien im Überblick


  1. Werteorientierung und Kohärenz


Zufriedenheit entsteht dort, wo Handlungen, Entscheidungen und Lebensgestaltung mit den eigenen Werten und Bedürfnissen übereinstimmen. Viele der Befragten beschrieben, dass erst der bewusste Kontakt zu den eigenen Bedürfnissen sichtbar machte, wo sie im Alltag gegen sich gelebt hatten.


Innere Stimmigkeit, also das Gefühl, im Einklang mit sich selbst zu sein, erwies sich als zentraler Baustein von Lebenszufriedenheit.


  1. Selbstbestimmung und Selbstwirksamkeit


Lebenszufriedenheit ist eng mit der Überzeugung verbunden, das eigene Leben gestalten zu können. Selbstbestimmung zeigt sich in den Interviews weniger als Ideal, sondern als gelebte Praxis. Im Sinne von Entscheidungen zu treffen, Verantwortung zu übernehmen, kleine Schritte zu wagen und damit Erfahrungen zuzulassen.


Besonders wurde, dass Selbstwirksamkeit häufig nicht durch äußere Umstände entsteht, sondern durch die innere Erlaubnis Einfluss zu nehmen.


  1. Balance, Achtsamkeit und Selbstfürsorge


Balance wurde nicht als Rückzug aus dem Alltag beschrieben, sondern als bewusste Gestaltung desselben. Momente der Ruhe, der Natur, des Nicht-Tuns und des Einfach Seins spielten eine zentrale Rolle.


Kleine positive Erlebnisse, das sogenannte "kleine Glück", erwiesen sich als bedeutsam für das Erleben von Wohlbefinden und wirkten stabilisierend im Alltag.


  1. Soziale Verbundenheit und Resonanz


Soziale Beziehungen fungieren als emotionale Ressource und Stabilisationsfaktor. Entscheidend ist dabei weniger die Anzahl der Kontakte als deren Qualität.


Resonanz, emotionale Sicherheit und geteilte Werte tragen wesentlich zur Lebenszufriedenheit bei. Beziehungen werden dann als stärkend erlebt, wenn Menschen sich gesehen, akzeptiert und nicht bewertet fühlen.




Einordnung und Ausblick


Das NORDIC BALANCE MODELL bietet einen Orientierungsrahmen, um Lebenszufriedenheit differenziert zu betrachten. Es versteht sich nicht als fertiges Rezept, sondern als Einladung zur Reflexion.


Kulturelle Rahmenbedingungen wirken dabei nicht determinierend, sondern rahmend und ermöglichend. Sie können bestimmte Haltungen und Praktiken begünstigen oder erschweren, ersetzen jedoch nicht die individuelle Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen, Werten und Handlungsspielräumen.



Vom Modell zur Praxis


Das NORDIC BALANCE MODELL bildet die Grundlage des gleichnamigen Workshops. Dort wird es genutzt, um persönliche Balance, innere Stimmigkeit und individuelle Entwicklungsmöglichkeiten sichtbar zu machen.


Wer tiefer einsteigen möchte, findet im Workshop Raum für Reflexion, Austausch und alltagstaugliche Impulse.



Abschlussgedanke


Lebenszufriedenheit lässt sich nicht erzwingen. Sie entsteht dort, wo Menschen beginnen, sich selbst ernst zu nehmen und ihre Lebensgestaltung bewusst auszurichten.


Das NORDIC BALANCE MODELL versteht sich als Begleiter auf diesem Weg.




Quellen und Theoretische Bezüge:

  • Antonovsky, A. (1979). Health, stress, and coping: New perspectives on mental and physical well-being. Jossey-Bass.

  • Deci, E. L., & Ryan, R. M.: (2000). The „What“ and „Why“ of goal pursuits: Human needs and the self-determination of behavior. Psychological Inquiry, 11(4). https://doi.org/10.1207/S15327965PLI1104_01

  • Diener, E., & Biswas-Diener, R. (2008). Happiness: Unlocking the mysteries of psychological wealth. Blackwell Publishing.

  • Diener, E., Emmons, R. A., Larsen, R. J., & Griffin, S. (1985). The Satisfaction With Life Scale. Journal of Personality Assessment, 49(1).

  • Fleissig, M. (2026). Subjektive Lebenszufrieden in Skandinavien, eine qualitative Untersuchung kultureller Haltungsmuster und deren Relevanz für das Coaching im deutschsprachigen Raum.

  • Schwartz, Shalom H. (1992): Universals in the Content and Structure of Values: Theoretical Advances and Empirical Tests in 20 Countries. In: Advances in Experimental Social Psychology Volume 25, Bd. 25: Elsevier (Advances in Experimental Social Psychology).

  • Seligman, M. E. P. (2023). Flourish – Wie Menschen aufblühen: Die Positive Psychologie des gelingenden Lebens (7. Aufl.; C. Frick, Übers.). Kailash. (Originalwerk veröffentlicht 2011)

  • Seligman, M. E. P., & Csikszentmihalyi, M. (2000). Positive psychology: An introduction. American Psychologist, 55(1).

  • Seligman, M. E. P. (2011). Flourish: A visionary new understanding of happiness and well-being. Free Press.




 
 
 

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