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Die Sache mit dem Glück

Glück scheint heute fast selbstverständlich.

Es wird versprochen, optimiert, gepostet.


Vielleicht ist Glück eines der missverständlichsten Wörter unserer Zeit. Wir verwenden es selbstverständlich und reduzieren es dabei häufig auf das gute Gefühl im Moment.



Glück wird im Alltag oft mit positiven Emotionen gleichgesetzt: Freude, Leichtigkeit, Genuss. In sozialen Medien begegnet uns ein beinahe permanentes Versprechen von „Positive Vibes Only“. Glück scheint dort ein Zustand zu sein, den man herstellen, optimieren oder zumindest sichtbar machen kann.


Doch die psychologische Forschung zeichnet ein differenzierteres Bild.

In der Positiven Psychologie wird zwischen zwei grundlegenden Formen des Wohlbefindens unterschieden: dem hedonischen und dem eudaimonischen Wohlbefinden.


Hedonisches Wohlbefinden beschreibt das Streben nach Lustgewinn, Freude und angenehmen Emotionen. Es geht um positive Gefühle im Hier und Jetzt.


Eudaimonisches Wohlbefinden hingegen richtet den Blick auf Sinn, persönliche Entfaltung und Werteorientierung. Es fragt nicht nur: „Fühle ich mich gut?“, sondern auch: „Lebe ich im Einklang mit dem, was mir wichtig ist?“

In diesem Zusammenhang gewinnt ein Begriff besondere Bedeutung: Lebenszufriedenheit.

Lebenszufriedenheit ist mehr als ein gutes Gefühl. Sie beschreibt die bewusste, überdauernde Bewertung des eigenen Lebens. Es geht nicht nur um einzelne Momente der Freude, sondern um die Frage, ob das eigene Leben als stimmig, kohärent und sinnerfüllt erlebt wird.


Martin Seligman hat mit seinem PERMA-Modell einen Rahmen geschaffen, um gelingendes Leben differenziert zu betrachten. Positive Emotionen sind darin ein wichtiger Bestandteil. Aber eben nur einer von mehreren. Meaning, Relationships und Accomplishment spielen eine ebenso zentrale Rolle.


Lebenszufriedenheit lässt sich insbesondere dort verorten, wo Menschen ihr Leben als werteorientiert, verbunden und wirksam erleben.


In meiner Arbeit bildet Lebenszufriedenheit einen zentralen Bezugspunkt. Nicht im Sinne eines oberflächlichen Glücksversprechens, sondern als Ausdruck nachhaltigen Wohlbefindens im Alltag.

Während Glück oft als flüchtige Emotion verstanden wird, beschreibt Lebenszufriedenheit eine reflektierte, überdauernde Einschätzung. Sie entsteht nicht aus einem einzelnen guten Tag, sondern aus dem Zusammenspiel von Werten, Beziehungen, Sinn und persönlicher Entwicklung.

Es geht nicht darum, immer positiv zu sein.

Sondern darum, das eigene Leben als stimmig zu erleben.

Und diese Stimmigkeit ist kein Zustand, den man einmal erreicht und dann dauerhaft festhält. Wir leben in fortwährender Entwicklung. Lebensphasen verändern sich, Rollen verschieben sich, Prioritäten ordnen sich neu. Was heute stimmig ist, kann morgen überprüft werden müssen.


Lebenszufriedenheit bedeutet deshalb nicht Stillstand, sondern bewusste Ausrichtung. Immer wieder innezuhalten. Zu reflektieren, wo Balance trägt und wo sie gerade fehlt. Und den Mut zu haben, sich neu auszurichten, wenn es erforderlich ist.



Vielleicht liegt genau darin die nachhaltigere Form des Glücks.




Reflexionsfrage an dich:


Wenn du dein Leben im Ganzen betrachtest – fühlt es sich im Moment stimmig an?

Und wenn nicht: In welchem Bereich wünschst du dir eine neue Ausrichtung?




Quellen und theoretische Bezüge:


  • Csikszentmihalyi, M.: (2010). Flow. Das Geheimnis des Glücks. Stuttgart: Klett-Cotta.

  • Deci, E. L., & Ryan, R. M.: (2000). The „What“ and „Why“ of goal pursuits: Human needs and the self-determination of behavior. Psychological Inquiry, 11(4). https://doi.org/10.1207/S15327965PLI1104_01 Diener, E., & Biswas-Diener, R. (2008). Happiness: Unlocking the mysteries of psychological wealth. Blackwell Publishing. Diener, E., Emmons, R. A., Larsen, R. J., & Griffin, S. (1985). The Satisfaction With Life Scale. Journal of Personality Assessment, 49(1).

  • Fleissig, M. (2026). Subjektive Lebenszufrieden in Skandinavien, eine qualitative Untersuchung kultureller Haltungsmuster und deren Relevanz für das Coaching im deutschsprachigen Raum.

  • Ryan, Richard M.: Self-Determination Theory: Basic Psychological Needs in Motivation, Development, and Wellness.

  • Seligman, M. E. P. (2023). Flourish – Wie Menschen aufblühen: Die Positive Psychologie des gelingenden Lebens (7. Aufl.; C. Frick, Übers.). Kailash. (Originalwerk veröffentlicht 2011)

 
 
 

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